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Ein halbes Jahr in Deutschland

Datum: 24. November 2017 gepostet von Miguel José Urbina Gutierrez

 

Miguel José Urbina Gutierrez macht seit Februar einen Freiwilligendienst in Deutschland. In seinem Halbjahresbericht gibt er einen Einblick in sein deutsches Leben, erzählt von Freunden und Bekanntschaften und vor allem von seiner großen Europa-Tour…

 

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Mir kommt es unwirklich vor, dass schon 6 Monate vergangen sind, so schnell ist die Zeit vergangen. Es fällt mir schwer, diese 6 Monate in ein paar Absätze zusammen zu fassen, aber ich gebe mein Bestes:

 

Die Arbeit im Kindergarten wurde viel erträglicher. Um ehrlich zu sein habe ich mich am Anfang gefreut wenn die Arbeitszeit vorbei war, aber das liegt am Winter denke ich- niemand hat Lust zu arbeiten. Noch schlimmer ist es, wenn du in deinen warmen, unzähligen Decken aufwachst die du als Latino brauchst und merkst wie kalt es außerhalb deines Bettes ist. Die Idee aufzustehen wird ein scheinbar unerreichbares Ziel. Der Frühling war zum Glück nicht weit, was ich daran gemerkt habe, dass die Blumen begonnen zu blühen und das Grün um mich herum intensiver wurde. Die Kälte blieb gleich, ob Sonnenschein oder nicht, du brauchst weiterhin deine Jacke.

 

Eines der größten Probleme für mich war mich an die Routine zu gewöhnen und an die vielen Dinge auf die ich achten musste: meine Bankkarte, meine Schlüssel, meine Fahrkarte, mein Handy… aber nach gewisser Zeit lässt sich dies in einer kurzen Erinnerung morgens zusammenfassen bevor ich das Haus verlasse: Schlüssel, Handy, Brieftasche, adiós!

Nachdem dies erledigt ist bin ich bereit für einen Arbeitstag.

Das zweitgrößte Problem war die Sprache, es ist wirklich frustrierend immer zu hören wie alle diese Sprache problemlos sprechen und du dich wie ein Schatten daneben fühlst. Andererseits ist das die größte Motivation zu lernen. Abgesehen davon wurde der tagtägliche Umgang mit den Kindern dadurch erschwert, dass kein Kind Spanisch oder wenigstens Englisch spricht, obwohl der Großteil dieser Kinder trotz ihres jungen Alters bereits zwei Sprachen beherrscht. Bevor ich meinen Deutschkurs begann, verbrachte ich einen Monat damit, von den Kindern und meiner Gastfamilie zu lernen. Dies hat jedoch nicht so gut funktioniert, weil ich jedes Mal wenn ich dachte ich würde etwas verstehen, Fehler gemacht habe und das war sehr deprimierend. Erst nach dem Deutschkurs hat alles mehr Sinn ergeben.

 

Ehrlich gesagt wird es immer Probleme geben, aber das ist natürlich. Normalerweise liegt das an irgendeinem Missverständnis oder an etwas das du nicht ganz richtig verstanden hast, hauptsächlich auf der Arbeit. Aber mach dir keine Sorgen, mein Chef ist keine schlechte Person und das Blablabla das wir normalerweise über unsere Vorgesetzten denken. Er hat immer alles mit Ruhe aufgenommen und das ist sehr wichtig zu wissen.

 

 

Was meine Gastfamilie betrifft, kann ich nicht in Worte fassen, wie beeindruckend diese sechs Monate mit ihnen waren. Ich habe viel in Deutschland dank Ihnen kennengelernt und auch einander konnten wir uns immer besser kennenlernen. Sie sind wirklich wie eine Familie für mich und sehr nett und sie haben mir während meines gesamten Aufenthaltes in Deutschland bereits so viel geholfen. Ich muss akzeptieren, dass mich zu unterstützen eine Arbeit ist von der ich dachte, dass nur meine Mutter das könnte aber meine Gastfamilie weiß auf gleicher Weise sehr gut wie man sich mit mir herumärgert, obwohl ich mich jetzt sehr gut benehme.

 

Ich war schon in vielen Teilen Deutschlands, unter anderem Berlin, obwohl man denken könnte, dass Berlin ein anderes Land ist. Die Hauptstadt ist von so einer jungen Kultur und Dingen von der ganzen Welt gefüllt. Es ist ohne Zweifel eine Weltstadt und ich durfte dort so viele Menschen von überall her kennenlernen, einfach genial.

 

Seit ich nach Deutschland gekommen bin fiel es mir ein wenig schwer mich daran zu gewöhnen wie man sich hier verabredent oder einem Freund Bescheid zu sagt, dass man ihn besuchen kommt. Leider funktioniert Spontanität hier nicht so gut und das habe ich auf jeden Fall auch dadurch verstanden, dass mein Tagesplan schon viel gefüllter war als nur die Arbeit im Kindergarten. Ich habe Baseball-Training, Deutschkurs, Treffen der Spanisch- Sprechenden… Nach alldem war ich immer total erschöpft und als endlich das Wochenende da war hatte ich immer bereits Pläne mit meinen Freunden oder meiner Gastfamilie.

 

Ich habe hier so viele Freunde gefunden, die Anzahl der Menschen die ich kenne erscheint mir beeindruckend. Ich habe immer jemanden, den ich anrufen kann, um am Wochenende etwas zu unternehmen und viele Verabredungen für die nächsten Monate in anderen Teilen Europas.

 

Nach einer gewissen Anpassungszeit an die deutsche Routine kam eine der Zeiten auf die ich mich sehr gefreut hatte: die Ferien. Meine Ferien waren im August, ein sehr guter Monat hier im Sommer in dem jeden Tag bis 9 Uhr abends die Sonne scheint. Obwohl ich schon so viele Freunde gefunden hatte, entschied ich mich dazu, alleine zu reisen. Die Idee das erste Mal durch Europa zu reisen war erschreckend, da ich nur ein paar Empfehlungen und Tipps von Freunden und Familie hatte. Ich entschied mich dazu mit dem Zug zu reisen, um ein bisschen mehr von Europa kennenzulernen als mit dem Flugzeug und selbstverständlich auch weil es wesentlich günstiger ist. Mir wurde empfohlen ein Ticket zu kaufen mit dem du mit allen Zügen auf deiner Strecke fahren kannst. Also packte ich ein Zelt ein, einen Schlafsack und die Tausend Dinge die ich gebraucht hatte und war nun einer der Rucksacktouristen, die ich als Kind immer durch meine Heimat reisen sah.

 

 

 

 

 

 

 

Ich hatte bereits geplant welche Züge ich an dem Tag meiner Abreise nehmen sollte aber auf einmal kam die Angst, die Panik, ich fühlte mich so wohl in meinem Bett und wusste, dass ich diese Gemütlichkeit für eine längere Zeit entbehren sollte. Ich fühlte mich nicht sicher dabei diese Reise zu beginnen, aber als ich Pros und Contras aufzählte gab es zwar viele Gründe die gegen diese Reise sprachen – aber einen, der mich letztendlich aus dem Bett hochzerrte: Natürlich nicht, dass ich viel von Europa kennenlernen würde, sondern dass das Ticket so teuer war und ich mir nicht leisten kann so etwas wegzuwerfen.

 

Ich nahm meinen 15,7 kg schweren Rucksack und begann meine Reise angsterfüllt am frühen Morgen. Ich wollte zuerst nach Frankreich bis nach Paris und dann direkt nach Spanien, wo ein Teil meiner Familie auf mich wartete. In meinem Kopf klang das alles so einfach, aber selbstverständlich wurde alles komplizierter als erwartet.

 

Alles lief gut bis zu meiner Ankunft in Paris, ich lernte andere Leute kennen die mit dem gleichen Ticket wie ich reisten, nach einer langen Unterhaltung entschieden wir uns gemeinsam mit dem Fahrrad durch Paris zu fahren. Zuerst ging ich zum Campingplatz und später machte ich eine Tour durch die wunderschöne Stadt. Es war eine unglaubliche Erfahrung ich werde nie die Freunde vergessen die ich dort machen durfte. Am nächsten Tag begann ich meine Reise nach Murcia del Carmen, wo meine Familie wohnt. Es war toll nach fast 6 Monaten wieder lateinamerikanisches Essen erreichbar zu wissen und vor allem nicaraguanisches Essen.

 

Ich hatte meine Familie in Spanien seit über sieben Jahren nicht mehr gesehen und dieses Treffen werde ich bis zum nächsten Mal in meinem Herzen tragen.

 

Nachdem ich zwei Wochen am Strand und in der Sonne war gingen meine Ferien langsam zu Ende und in dem Zug auf dem Rückweg nach Deutschland erinnerte ich mich an diese Ferien und ich wurde nostalgisch da ich wusste, dass es Personen gibt die ich nie wieder sehen werde aber nie vergessen werde. Natürlich lernte ich auf der Rückfahrt noch viel mehr Menschen kennen, nach alldem musste ich immer noch 28 Stunden von Murcia bis Stuttgart fahren. In diesem Moment dachte ich auch darüber nach wie sehr ich meine Gastfamilie vermisste. Alle um mich herum fingen wieder anfingen Deutsch zu sprechen, nach alldem kann ich sagen dass mein Deutsch schon viel besser geworden ist dank meiner Gastfamilie und meiner Freunde: kein Spanisch, kein Englisch.

 

 

 

 

 

 

 

Es ist schwer, meine bisherige Reise in wenigen Absätzen zusammenzufassen. Es gibt Dinge, die nur in meinem Kopf sind und das hier erklärt nur vielleicht 30% meiner Reise. Es ist schwierig sich vorzustellen was ich alles in nur sechs Monaten erlebt habe, wieviel reifer ich geworden bin bezüglich vieler Dinge die mir in der Vergangenheit so kompliziert erschienen. Ich freue mich auf alles was in den nächsten Monaten kommen wird, auf alles das ich erleben werde und die Menschen die ich treffen werde. Ohne mehr hinzuzufügen erhoffe ich mir Gutes von der nächsten Zeit und werde weiterhin mein Bestes geben. Das Abenteuer fängt gerade erst an.

 

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Ein Jahr in Friolzheim

Datum: 01. November 2016 gepostet von Domingo Alberto Garcia Treminio

 

Ich heiße Domingo Alberto Garcia Treminio und komme aus Nicaragua (Tipitapa). Ich bin am 10 August 1990 geboren und bin 24 Jahre alt. Seit dem 27 November 2012 lebe ich in Deutschland (in Friolzheim) und mache einen Bundesfreiwilligendienst hier im Friolzheimer Kindergarten. Ich wohne bei der Familie Schmidt, die eine nette und freundliche Familie ist, die mir geholfen hat diesen Freiwilligendienst hier machen zu können.

 

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Deutschland:

Meine ersten Tage hier in Deutschland waren ein bisschen schwierig, weil ich hier in neues Leben anfangen musste. Ich musste Freunde hier in Friolzheim finden, konnte nur sehr wenig deutsch sprechen und noch weniger verstehen. Ich hatte in Nicaragua nur einige wichtige Wörter und Sätze auf deutsch gelernt und zwar von den deutschen Freiwilligen, die dort mit mir zusammen im Projekt "la Casita del Árbol" arbeiteten. Nach einigen Monaten hier in Deutschland hat mich ein Freund mit ins Fußballträning genommen und dort habe ich dann neue Freunde kennengelernt und es geschafft mich an das neue Leben zu gewöhnen und mich richtig einzuleben. Es war wirklich nicht immer einfach, die Kultur, die Sprache, die Gesellschaft, alles war so anders und so neu.

Mit dem Wetter hatte ich keine Probleme, ich finde es schön dass ich die Chance habe alle vier Jahreszeiten zu erleben, weil in Nicaragua ist es immer ca. 30 Grad warm und wir haben nur zwei Jahreszeiten, die Regen- und die Trockenzeit. Ich habe mich wirklich gut an das neue Klima hier gewöhnt und ich freue mich immer wenn es schneit, dann gibt es Schneeballschlacht und im Kindergarten bauen wir Schneemänner mit den Kindern. Was mir an Deutschland besonders gut gefällt ist das Essen. Natürlich vermisse ich das nicaraguanische Essen, besonders das von meiner Mama, auch manchmal aber ich genieße die riesige Vielfalt des Essen hier.

Der Friolzheimer Kindergarten

Die Erfahrungen die ich hier im Friolzheimer Kindergarten sammle sind einzigartig und sehr interessant. Nach einer Woche Eingewöhnung, fing ich gleich mit der Arbeit im Kindergarten an. Hier arbeite ich mit Kindern zwischen 3 und 6 Jahren. Die ersten Tage waren sehr schwierig weil ich fast nicht von dem was mir die Kollegen, Eltern oder Kinder gesagt haben, verstanden habe. Aber die Deutschen sind sehr nette Leute, sie haben viel Geduld und sind sehr freundlich auch wenn man noch nicht so viel versteht. Alle meine Kollegen und die Kinder haben mir so viel geholfen und mir viel deutsch beigebracht.

Im Kindergarten zu arbeiten ist für mich sehr interessant, weil hier in Deutschland die Art und Weise wie man Kindern etwas beibringt ganz anders ist als in Nicaragua. Zum Beispiel schaut man hier Filme an, man singt Lieder miteinander man spielt lebhafte Spiele wobei die Kinder sich austoben können und lernen ihre Motorik zu kontrollieren und die Kinder lernen spielerisch Nummern, Farben, das Alphabet und vieles mehr. Im Kindergarten hier gibt es alles, es gibt ein Theaterzimmer, ein Mahlzimmer, ein Zimmer zum Basteln und draußen gibt es jede Mange Platz zum Toben. Hier gibt es jede Menge Lego und andere Spiel- und Lernsachen. Es gibt so viele Möglichkeiten hier für die Kinder zum Spaß haben und zum Lernen. Ich habe noch nie so viele Sachen gesehen. Was ich auch sehr interessant finde ist, dass hier die Kinder schon ab vier Jahren Englisch lernen. Das ist unglaublich für mich, da wir in Nicaragua erst im Alter von 13 Jahren damit anfangen. Ich hatte auch die Möglichkeit ein Praktikum in der Grundschule machen zu können und habe gelernt wie anders das Schulsystem und der Unterricht hier in Deutschland ist.

In meiner Zeit hier in Deutschland, in Friolzheim und im Kindergarten habe ich sehr viel neues und spannendes gelernt und freue mich auf alles was noch kommt. Seit ich hier bin weiß ich dass ich auch nach meiner Rückkehr nach Nicaragua mit Kindern arbeiten will. Ich werde dafür kämpfen nach meiner Rückkehr mein Leben und das meiner Familie zum Besseren zu verändern. Ich werde dafür kämpfen, zu studieren und eines Tages in einem Kindergarten in Nicaragua zu arbeiten und nie wieder in den Kleiderfabriken!

Domingo Alberto Garcia Treminio

 

Nach 18 Monaten in Deutschland, lebt Domingo heute wieder in Tipitpa. Er arbeitet nun als Deutschlehrer, sowohl privat als auch an einem Sprachinstitut und spart für ein Studium. Von dem kleinen Freiwilligengehalt, das er in Deutschland für seine Arbeit erhielt, hat er ein wunderschönes, kleines Häuschen für sich und seinen kleinen Bruder gebaut!

 

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